Die Begründerin der Rhythmik in der Heilpädagogik Mimi Scheiblauer (1891-1968) hat die jedem Menschen zugänglichen und erfahrbaren Gesetzmäßigkeiten der Bewegung, des Materials und der Schwerkraft als basale Grunderfahrungen eingesetzt. Musik als vermittelndes Handlungsmedium und Materialien stellen dabei gleichberechtigte Partner in der Heilpädagogischen Rhythmik nach Scheiblauer dar.

Rhythmisierungen prägen in Form von regelhaften Abläufen unseren Alltag und wirken als Strukturen haltgebend. In dieser Betrachtungsweise wird das Zusammenspiel von Strukturen, Rhythmik und innerer Stabilität ersichtlich und für die Heilpädagogik bedeutsam.

In einer von personaler Anerkennung und Wertschätzung geprägten pädagogischen Haltung erweisen sich rhythmisch-musikalische Angebote stärkend und förderlich für inklusive und persönlichkeits- wie gemeinschaftsfördernde Prozesse. Die stimmlichen, verbalen und nonverbalen Äußerungen aller Teilnehmenden sowie das Klingen der Instrumente bilden einen klangvollen Resonanzraum, in dem Gemeinsames wachsen und der Einzelne sich als wirksam erfahren kann. Rhythmisch-musikalische Angebote wirken als pädagogisch-therapeutischer Rahmen, innerhalb dessen die Teilnehmenden fokussierte Impulse für ihr Handeln und für ihre Auseinandersetzung mit der Umwelt erhalten.

Dabei werden in der Heilpädagogischen Rhythmik besonders die Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung und Bewegung und deren Beeinflussung durch z. B. Basale Stimulation und sensorische Integration berücksichtigt. Heilpädagogische Rhythmik fördert diese Entwicklungsprozesse und unterstützt die Harmonisierung der Fähigkeiten.

Die Teilnehmenden werden angeregt und angehalten zu wirksamen Verflechtungen von Theorie und Praxis, indem theoretische Impulse mit praktischen Beispielen verknüpft und reflektiert werden sowie Erfahrungen gemeinsam durchdacht und neue Wege erprobt werden. Stets stehen Spaß und Freude an Bewegung, Musik, Singen und am gemeinsamen Tun im Vordergrund und werden kreativ und phantasievoll mit heilpädagogischem Handeln in Verbindung gesetzt. Im Fokus der Reflexionen stehen die Förderung der Sprache, der Wahrnehmung, der sozial-emotionalen Entwicklung sowie der Kreativität.

Modul 1: Einführung in die Rhythmik als Methode in der Heilpädagogik
  • Kennenlernen der Scheiblauer-Materialien
  • Praxis der Scheiblauer-Rhythmik früher und heute
  • Didaktische Unterrichtsprinzipien im Kontext der Handlungsmedien
  • Umsetzungs- und Spielformen in der Rhythmik mit Schwerpunkt der sensomotorischen Umsetzung Hören-Bewegen
  • Rhythmikangebote für unterschiedliche Zielgruppen
  • Konzepte und Strategien für die Erarbeitung der Abschlussarbeit
Modul 2: Wahrnehmungs- und Sprachförderung mittels Rhythmik und Musik
  • Teil 1: Wahrnehmungs- und Sprachentwicklung im Kontext zu Rhythmik- und Musikangeboten – Theorie und Praxis inklusive fachspezifischer Reflexionen
  • Teil 2: Methodik, Struktur und Aufbau von Rhythmik- und Musikangeboten
Modul 3: Instrumente und Singen – Rhythmik und Musik in ihren gemeinschaftsstiftenden Wirkungen
  • Intuitiv spielbare Instrumente
  • Interaktive Spielformen mit unterschiedlichen Instrumenten
  • Einfache Liedbegleitung/ Pentatonik
  • Grundlagen des Singens
  • Lieder und Reime/Raps für viele Gelegenheiten und Förderbereiche
  • Rhythmikangebote für unterschiedliche Zielgruppen
Modul 4: Das Rhythmiknetz – Musik, Gesang, Tanz und Spiel unter dem Fokus der Rhythmik zusammenführen und vernetzen
  • Vernetzung der Umsetzungsformen in Rhythmikangeboten (Theorie und Praxis)
  • Zum Musikeinsatz in Angeboten: Selbstgemacht vs. „Konserve“
  • Tänze für viele Gelegenheiten und Zielgruppen
  • Spielpädagogische Ergänzungsmethoden (z. B. Hand-und Schoßpuppen)
  • Rhythmikangebote für unterschiedliche Zielgruppen der heilpädagogischen Praxis
  • Kollegiale und ko-konstruktive Entwicklung der Abschlussarbeit
Modul 5: Evaluationsmodul

Für dieses Modul entwickeln Sie ein Praxisangebot, das Sie in Form einer Abschlussarbeit vorstellen und reflektieren. Eine vom BHP beauftragte Person nimmt teil.

Die Entwicklung des Praxisprojekts sowie die Erstellung der Abschlussarbeit werden seitens der Referentin supervisorisch begleitet (im Umfang von 90 Min./Person).

Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:
  • Rhythmik als Methode in die Heilpädagogik einordnen,
  • Stärken und Potenziale rhythmischer Angebote für inklusive Prozesse beschreiben,
  • didaktische Prinzipien mit rhythmischen Angeboten in der Heilpädagogik verbinden,
  • rhythmische Angebote im Kontext heilpädagogischen Handelns entwickeln und durchführen,
  • gruppendynamische Entwicklungen im Rahmen rhythmischer Angebote begleiten und diesen konstruktiv begegnen,
  • Rhythmik als Methode in das heilpädagogische Handlungsrepertoire integrieren,
  • die eigene Person in ihren impulsgebenden und impulsempfangenden Anteilen im Kontext von Rhythmik und Heilpädagogik reflektieren.
Rhythmik als Methode in der Heilpädagogik
Kurs-Nr.:
23 W 10
 
 
Referentin:
Sabine Hirler
Termine:
Modul 1:
Freitag, 22. September 2023, 13:00-20:00 Uhr
Samstag, 23. September 2023, 09:00-17:00 Uhr
Modul 2 (Online):
Samstag, 14. Oktober 2023, 09:00-17:00 Uhr
Modul 3:
Freitag, 17. November 2023, 13:00-20:00 Uhr
Samstag, 18. November 2023, 09:00-17:00 Uhr
Modul 2 (Online):
Samstag, 27. Januar 2024, 09:00-17:00 Uhr
Modul 4:
Freitag, 23. Februar 2024, 13:00-20:00 Uhr
Samstag, 24. Februar 2024, 09:00-17:00 Uhr
Modul 5:
Freitag, 26. April 2024, 13:00-20:00 Uhr
Samstag, 27. April 2024, 09:00-17:00 Uhr
Umfang:
82 Einheiten
EAH Credits:
3,5
Anmeldung bitte bis:
09. Juni 2023
Max. Gruppengröße:
20
Zielgruppe:
HeilpädagogInnen und andere pädagogische Fachkräfte
Verpflegung:
Tagungsverpflegung ist für die Präsenztermine in den Kosten enthalten
Veranstaltungsort:
Haus Müllestumpe
An der Rheindorfer Burg 22, 53117 Bonn
Webseite
Kosten:
BHP-Mitglieder 1.380,00 € (je Modul 280,00 €)
Nichtmitglieder 1.705,00 € (je Modul 345,00 €)