Im (pädagogischen) Alltag wird der sprachliche Austausch häufig mit der Fähigkeit des Sprechens assoziiert. Das Verstehen und Mitteilen von Informationen und Bedeutungen ist jedoch nicht an das Beherrschen einer verbalen Sprache gebunden, sondern bezieht alle nonverbalen und verbalen Mitteilungswege, alle Handlungen und die den Menschen umgebenden kulturellen Artefakte mit ein. Es sind die in der aktuellen Lebenswelt entstehenden gemeinsamen Handlungen (ein gemeinsames Spiel, eine gemeinsame Tätigkeit im Alltag …), in welchen die Kommunikationspartner verlässliche Antworten auf ihr Tun erhalten und den Sprachraum bilden. In ihm entsteht ein sinngebender Erfahrungsraum der Wechselseitigkeit, in welchem sprachliche Zeichen als Vermittler fungieren.  

Für Kinder mit Komplexer Behinderung ist die Teilhabe an diesem Sprachraum stark eingeschränkt. Kooperative Handlungsmöglichkeiten und kommunikative Mitteilungswege sind ihnen oft nicht ohne Unterstützung zugänglich.

Im Seminar bilden die gemeinsamen Austauschprozesse die Grundlage für didaktisch-methodische Überlegungen, um für Kinder mit Komplexer Behinderung einen individuellen Weg des kommunikativen Austausches in einem gemeinsamen Sprachraum entwicklen zu können. Die Gestaltung gelingender Kommunikationssituationen hängt dabei wesentlich davon ab, wie das soziale Agieren im Erfahrungsraum als auch der Umgang mit den Dingen für das Kind geordnet und verdeutlicht werden kann. Dabei kommt heilpädagogisches Tun nicht ohne handlungsleitende Strukturen aus. Anhand von konkreten Praxisbeispielen werden einzelne Aspekte der Kommunikationsanbahnung dargestellt und diskutiert.  

Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:
  • Komplexe Behinderung aus der Bedürfnisperspektive und dem Lebenskontext heraus verstehen und interpretieren,
  • pädagogische Strategien bei der Gestaltung von Kontakt und Interaktion kennen und in Alltagssituationen beachten,
  • gemeinsame Handlungsmöglichkeiten entwickeln und darauf aufbauend kommunikative Prozesse initiieren,
  • die Facetten der Mitteilung bei Kindern mit komplexer Behinderung beschreiben und für den Aufbau eines Kommunikationssystems im gemeinsamen Sprachraum nutzen,
  • die verschiedenen Abstraktionsebenen von sprachlichen Zeichen überblicken,
  • die Bedeutsamkeit der Verständigung zwischen Eltern und Fachleuten bei der Etablierung von unterstützenden Strukturen bei der Kommunikationsanbahung beschreiben. 
Der gemeinsame Sprachraum – Methodische Schritte in der Kommunikationsanbahnung bei Kindern mit Komplexer Behinderung
Kurs-Nr.:
23 E 3
 
 
Referentin:
Silke Schellbach
Termin:
Freitag, 28. April 2023, 15:30-19:00 Uhr
Samstag, 29. April 2023, 09:00-17:00 Uhr
Umfang:
12 Einheiten
Anmeldung bitte bis:
18. März 2023
Zielgruppe:
HeilpädagogInnen und andere pädagogische Fachkräfte
Max. Gruppengröße:
20
Verpflegung:
Mittagessen und Getränke sind in den Kosten enthalten
Veranstaltungsort:
Gästehaus AURELIUS-Arkenau-Haus
Georg-Schumann-Str. 336
04159 Leipzig
Webseite
Kosten:
BHP-Mitglieder 265,00 €
Nichtmitglieder 335,00 €