Bildungsort Schule als Arbeitsfeld für HeilpädagogInnen

Der Bildungsort Schule bietet für Heilpädagoginnen und Heilpädagogen mannigfaltige Einsatzfelder. Das alle Einsatzfelder einende Ziel liegt in der Unterstützung gelingender Teilhabe an Bildungsprozessen für alle Kinder sowie in der Initiierung, Entwicklung, Begleitung und Verstetigung einer Atmosphäre des wertschätzenden Miteinanders. Wege hin zu diesen Zielen schließen alle ein, die am System Schule beteiligt sind: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Verwaltungspersonal, Hausmeister, Assistenzkräfte, Akteure des Sozialraums, Angehörige und Kooperationspartner.

Die Berufsgruppe der HeilpädagogInnen selbst ist gefordert, sich fachlich und persönlich im Bildungsort Schule zu verorten. Entsprechend der Komplexität und Vielfältigkeit des Arbeitsfeldes Schule sind mögliche Rollen und Aufgaben auf verschiedenen Ebenen zu identifizieren. Der rote Faden der Weiterbildung wird in einer dynamischen Verknüpfung der Verständigung und Reflexion des Bildungsbegriffs mit Möglichkeiten von Auftrags- und Rollenklärung liegen, um die eigene heilpädagogische Position beständig zu eruieren und von da aus gelingende Handlungsstrategien zu entwickeln und zu gestalten. Die fachlichen Inputs werden durch Institutionsanalysen und Prozesscoaching ergänzt und mögliche heilpädagogische Vorgehensweisen thematisiert und reflektiert.

Die Weiterbildungsreihe ist didaktisch in drei Teile gegliedert, die wechselseitig miteinander verschränkt werden: Bildungsort Schule, Arbeitsfelder im Bildungsort Schule, Bildungsprozesse gestalten. Auf diese Weise sollen alle beteiligten Akteure repräsentiert werden und ihre Anliegen Eingang finden für konstruktives heilpädagogisches Handeln.

Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:
  • einen reflexiven Umgang mit Bildung und Einordnung verschiedener Ebenen des Bildungsorts Schule entwickeln,
  • das eigene heilpädagogische Handeln in Arbeitsfelder des Systems Schule sinnvoll einordnen,
  • Möglichkeiten der Unterstützung des Systems Schule kennenlernen, 
  • individuelle Lern- und Entwicklungsbedürfnisse von SchülerInnen als Ausgang heilpädagogischen Handelns nehmen,
  • multiprofessionelle Kooperation als Antwort auf heterogene Lernausgangslagen  denken und fördern,
  • methoden- und personenorientierte begleitende Angebote zum Unterricht gestalten,
  • schulische Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder mit Förderbedarfen entwickeln,
  • heilpädagogische Professionalität für das System Schule reflektieren.
Modul 1: Jedes Kind hat ein Recht auf gleichberechtigte Teilhabe und hochwertige Bildung | Michael Kreisel

Im Modul wird eine Einführung in das Thema Heilpädagogik und Schule gegeben. Für eine Einschätzung des Arbeitsfeldes ist eine Vergegenwärtigung der Schule als Institution und mit ihren Strukturen bedeutsam: Regelschule, integrative Schule, inklusive Schule, Förderschule. Zur Einordnung sind aktuelle Entwicklungen der Bildungspolitik, der Sozialpädagogik und Sonderpädagogik sowie die Sicht auf Beeinträchtigung, Behinderung und Teilhabe von Bedeutung.

Fragen des Moduls sind: Welche Barrieren und Ressourcen der Teilhabe an Bildung bestehen in Schulsystemen? Wie können schulische Bildungsprozesse Chancengleichheit unterstützen? Wie steht Heilpädagogik zur Schule?

Modul 2: Exklusion und Inklusion in der Lebenswelt Schule – Ziele heilpädagogischen Handelns | Michael Kreisel

Die Leitidee Inklusion meint die Verwirklichung des menschenrechtlichen Anspruchs auf gleiche Chancen der Teilhabe am Leben der Gesellschaft. Sie ist Prozess und Zielsetzung zugleich. Im Bildungsort Schule wie im Unterricht finden sich Differenzen und gleichzeitig werden diese dort hergestellt.

Fragen des Moduls sind: Welche Impulse zur Veränderung institutioneller Strukturen gibt es und erscheinen im Hinblick auf Inklusion sinnvoll? Wie kann das System Schule auf unterschiedliche Dimensionen von Heterogenität eingehen?

Modul 3: Inklusion braucht heilpädagogische Professionalität! | Michael Kreisel

Mögliche Aufgaben von Heilpädagogik auf den verschiedenen Ebenen von Schule werden behandelt und Beispiele gelungener Umsetzung gegeben. Heilpädagogische Angebote sind als teilhabeorientierte Förderung zur Entfaltung von Potenzialen konzipiert und weniger als individuelle Defizitkompensation. Arbeitsfelder, z. B. FörderlehrerIn, Schulsozialarbeit, zweite Unterrichtskraft, Inklusionsbeauftragte werden dargelegt und der Einsatz digitaler Bildungsangebote und digitaler Medien diskutiert.

Fragen des Moduls sind: Welche Aufgaben sind mit der eigenen Rolle verbunden? Welche Vorgehensweisen unterstützen systemübergreifend Lernfreude und Eigenverantwortung?

Modul 4: Sozialrechtliche Grundlagen heilpädagogischen Handelns im System Schule | Lydia Schönecker

Ausgehend vom Kind oder Jugendlichen mit Beeinträchtigung und (drohender) Behinderung wird der rechtliche Rahmen möglicher Unterstützungs- und Nachteilsausgleichsleistungen für Teilhabe an Bildung erörtert. Zu diesem Rahmen gehören u. a. die UN-BRK, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sowie Leistungen nach dem SGB VIII und SGB IX. Wesentlicher Bestandteil ist dabei die Schulbegleitung als Leistung der Eingliederungshilfe.

Fragen des Moduls sind: Welche sozialrechtlichen Rahmenbedingungen sind vorhanden? Welche Dienst- und Fachaufsichtsbefugnisse lassen sich identifizieren?

Für berufsrechtliche Fragen wird im Anschluss ein Online-Seminar des BHP organisiert.

Modul 5: Methoden personenbezogener Stärkung des Selbstkonzepts sowie zur Resilienzförderung | Michael Kreisel | Heidi Fischer

Lernschwierigkeiten und erschwerte Lernsituationen stellen für alle Beteiligten eine Herausforderung dar. Bezugspunkt des pädagogischen Handelns in der Schule sollten die Lernfortschritte sein. Mangelnde Fortschritte bedingen häufig eine negative Selbsteinschätzung und zeigen die Not der Kinder. Diese Not kann zur Not der LehrerInnen und zur Not der ganzen Familie werden.

Fragen des Moduls sind: Welche heilpädagogischen Handlungskonzepte können in der Schule wie genutzt werden? Wie können Kinder unterstützt werden, die Freude am eigenen Lernerfolg zu entdecken, ihr Kompetenzprofil in den Blick zu nehmen und zu erweitern?

Modul 6: Assistenzleistungen und ressourcenorientierte Förderdiagnostik | Michael Kreisel | Prof.in Dr.in Ursula Böing

In diesem Modul werden Assistenzleistungen aus der Perspektive der betroffenen Kinder und Jugendlichen dargestellt und kritisch bewertet. Einerseits bieten sie individuelle Unterstützung, anderseits können sie systemstabilisierend für heterogenitätshervorbringende Funktionen der Schule wirken. Ressourcenorientierte förderdiagnostische Vorgehensweisen werden für eine Lösung des Dilemmas diskutiert.

Fragen des Moduls sind: Wie sollten Assistenzleistungen im System Schule gestaltet sein? Wie kann eine stärkenorientierte und individualisierte Herangehensweise im System Schule gestärkt werden?

Modul 7: Umsetzung von Heilpädagogik in Regelschulen | Michael Kreisel

Anhand von Fallbeispielen werden heilpädagogische Vorgehensweisen erörtert. Heilpädagogik in Schulen bezieht Kompetenzen im sozial-emotionaler Bereich als eigenständigen Bildungsbereich ein. Das umfasst folgende Aspekte:

  • Unterstützung innerhalb und außerhalb des Unterrichts
  • Interdisziplinäres Arbeiten
  • Moderation von Fallbesprechungen und Systemberatungen
  • Identifizierung von Exklusions- und Mobbingprozessen
  • Entwicklung und Gestaltung von Netzwerken (Mikro-, Meso-, Exosysteme)
  • Coaching von SchulbegleiterInnen
  • Präventionsangebote

Fragen des Moduls sind: Wie können fallorientiert Ressourcen und Barrieren im System Schule identifiziert und genutzt werden? Welche Vorgehensweisen erscheinen sinnvoll?

Modul 8: Evaluationsmodul | Michael Kreisel

Die Inhalte und Erkenntnisse der Weiterbildungsreihe werden für eine Abschlussarbeit zusammengefasst und diskutiert. Dabei steht eine Reflexion des Bildungsbegriffs sowie die eigene Auftrags- und Rollenklärung im Mittelpunkt; von hier aus werden Handlungsstrategien abgeleitet.

Sie reichen sechs Wochen vorher eine schriftliche Ausarbeitung ein (8–10 Seiten). Die schriftliche Arbeit präsentieren Sie vor der Gruppe (ca. 30 Min.); Ausarbeitung und Prozess werden gemeinsam reflektiert.

Eine vom BHP beauftragte Person nimmt an dem Modul teil.

Die Inhalte der Module 2 und 3 durchziehen in der Form von Online-Anteilen die Weiterbildungsreihe. Diese Form des Blended Learnings und der didaktischen Gestaltung veranschaulichen den der Weiterbildung zugrundeliegenden roten Faden der Reflexion des Bildungsbegriffs und eigener Bildungserfahrungen sowie einer stetigen Auftrags- und Rollenklärung der eigenen Position als Heilpädagogin/Heilpädagoge im System Schule.
Gute Bildung für alle. Bildungsort Schule als Arbeitsfeld für HeilpädagogInnen
Kurs-Nr.:
22 W 4
 
 
Koordinator:
Michael Kreisel
ReferentInnen:
Prof.in Dr.in Ursula Böing | Heidi Fischer | Lydia Schönecker
Termine:
Modul 1
Freitag, 30. September 2022, 15.30-19.00 Uhr
Samstag, 01. Oktober 2022, 09.00-17:00 Uhr
Modul 2 (online):
Samstag, 22. Oktober 2022, 09:00-12:30 Uhr
Samstag, 19. November 2022, 09:00-12:30 Uhr
Samstag, 10. Dezember 2022, 09:00-12:30 Uhr
Modul 3 (online):
Samstag, 14. Januar 2023, 09:00-12:30 Uhr
Samstag, 01. April 2023, 09.00-12:30 Uhr
Samstag, 24. Juni 2023, 09:00-12:30 Uhr
Modul 4
Freitag, 03. Februar 2023, 15.30-19.00 Uhr
Samstag, 04. Februar 2023, 09.00-17.00 Uhr
Modul 5
Freitag, 17. März 2023, 15.30-19.00 Uhr
Samstag, 18. März 2023, 09.00-17.00 Uhr
Modul 6 (online):
Freitag, 28. April 2023, 15.30-19.00 Uhr
Samstag, 29. April 2023, 09.00-17:00 Uhr
Modul 7
Freitag, 12. Mai 2023, 15.30-19.00 Uhr
Samstag, 13. Mai 2023, 09.00-17:00 Uhr
Modul 8
Freitag, 07. Juli 2023, 15.30-19.00 Uhr
Samstag, 08. Juli 2023, 09.00-17:00 Uhr
Umfang:
96 Einheiten
Anmeldung bitte bis:
12. August 2022
Zielgruppe:
Heilpädagoginnen und Heilpädagogen
Teilnehmerzahl:
20
Verpflegung:
Tagungsverpflegung ist in den Kosten enthalten
Veranstaltungsort:
Kolping-Akademie Würzburg
Kolpingplatz 1, 97070 Würzburg
Kosten:
BHP Mitglieder je Modul 230,00 € (Einmalzahlung: 1.820,00 €)
Nichtmitglieder je Modul 285,00 € (Einmalzahlung: 2.260,00 €)